Geschichte der Fahnen

Fahnen waren schon im Altertum und Mittelalter als Feldzeichen in Gebrauch, sie waren auch Anwesenheitszeichen und Symbol der Herrscher. Dem Landsknechthaufen war die Fahne Sammelpunkt in der Schlacht, der Fähnrich haftete mit seinem Leben für sie. Der Verlust der Fahne bedeutete Entehrung für die Truppe, die durch besondere Taten wieder ausgeglichen werden konnte. In der Schlacht zerschossene Fahnen wurden hoch in Ehren gehalten, zerschossene Fahnenstangen durch silberne Ringe mit Eingravierung des Ereignisses wiederhergestellt. Die Namen von Fahnenträgern, die mit der Fahne in der Hand gefallen waren, wurden ebenfalls auf silbernen Ringen an der Fahne angebracht. Ehrenbezeugungen, werden der Fahne wie Vorgesetzten erwiesen. Es ist anzunehmen, dass auch die Bürgergarde Aigen – Schlägl zu allen Zeiten ihrer bewegten Vergangenheit stets eine Fahne geführt hat. Die Chronik überliefert uns jedoch nur mehr die Geschichte der letzten fünf Fahnen, die heute alle noch vorhanden sind und einen Ehrenplatz im Vereinslokal der Bürgergarde einnehmen.

Fahnenspruch

Vor euch, ihr alten Fahnen, schwarzgelb und rotweißrot,
gelobten einst die Ahnen die Treue bis zum Tod.

Mit Lanz und Hellebarde, Musket und Trommelschlag
zog einst die Bürgergarde zum Schanzenwerk bei Haag.

Sie hielt im Böhmerwalde Ehr und Gewaffen blank,
als Wittings Haus, das alte, in Schutt und Asche sank.

Wie eine Heldensage von Treu und Einigkeit
weht auch durch unsre Tage der Hauch der alten Zeit.

Wie in vergangnen Tagen marschiert die Bürgerwehr
und starke Hände tragen die Fahne vor sich her.

Die über Ozeane den Weg zur Heimat fand,
nimm nun, du alte Fahne, das neue Ehrenband!

Und neig auch du dich nieder, du Fahne rotweißrot!
Die Garde schwört dir wieder die Treue bis zum Tod.

 

Der Fahnenspruch wurde anlässlich der Wiedererrichtung, im Jahr 1975, von AR. Leopold Kern verfasst.

Fahnenspruch – Abschied

Vor euch, ihr alten Fahnen, schwarzgelb und rotweißrot,
gelobten einst die Ahnen die Treue bis zum Tod.

Mit Lanz und Hellebarde, Musket und Trommelschlag
zog einst die Bürgergarde zum Schanzenwerk bei Haag.

Sie hielt im Böhmerwalde Ehr und Gewaffen blank,
als Wittings Haus, das alte, in Schutt und Asche sank.

Wie eine Heldensage von Treu und Einigkeit
weht auch durch unsre Tage der Hauch der grossen Zeit.

Wie in vergangnen Tagen marschiert die Bürgerwehr
und starke Hände tragen die Fahne vor sich her.

Zum Abschied woll’n wir senken die Fahne auf dein Grab,
noch einmal Dein gedenken, was Gott uns mit dir gab.

Nun neige dich hier nieder, du Fahne rotweißrot!
Die Garde schwört dir wieder, die Treue nach dem Tod.

Der Fahnenspruch wurde anlässlich der Wiedererrichtung, im Jahr 1975, von AR. Leopold Kern verfasst.

1. Fahne

Diese stammt vermutlich aus dem Jahr 1845, da aus diesem Jahr noch ein datiertes Fahnenband vorhanden ist. Sie trägt auf schwarzgelbem Grund den kaiserlichen Doppeladler. Von dieser Fahne hatte niemand mehr Kenntnis, erst im Juni 1930 wurde sie vom damaligen Kommandanten des Gendarmeriepostens Aigen in sehr desolatem Zustand auf dem Turm des Rathauses unter altem Gerümpel gefunden.

2. Fahne

Über die Weihe dieser Fahne im Jahre 1861 gibt uns ein noch vorhandenes Lichtbild Auskunft. Die Weihe der Fahne nahmen der Abt des Stiftes Schlägl und der Landeshauptmann von Oberösterreich vor. Fahnenmutter war Frau Fanny Buemberger, Lederfabrikantin aus Linz, jedoch gebürtige Aignerin. Die von ihr gespendete Fahne ist aus weißgrüner Seide und trägt auf einer Seite den kaiserlichen Doppeladler und auf der Rückseite den hl. Georg, Schutzpatron der Ritter, Reiter und Soldaten.

3. Fahne

Die Weihe dieser Fahne wurde am 6. Juni 1881 wieder von Abt Dominik Lepschy vorgenommen. Hauptmann der Bürgergarde war damals Hermann Schuster. Fahnenpatin war Frau Agnes Rizy. Sie spendete das Fahnenband und die Schärpe für den Fähnrich. Die Fahne selbst war diesmal wieder schwarzgelb und mit einem Doppeladler bestickt.

4. Fahne

Die Weihe dieser Fahne, nahm im Jahr 1902 Abt Norbert Schachinger, assistiert vom Aigner Pfarrer Gustav Obersinner und Kaplan Norbert Wipplinger, vor. Fahnenmutter war Frau Maria Stoll, Gattin des Leinenfabrikanten Simon Stoll aus Aigen. Die Familie Stoll war allgemein ein großer Gönner des Korps und der Gemeinde. Die Fahne zeigt abermals auf  schwarzgelbem Hintergrund den kaiserlichen Doppeladler und auf der Rückseite den hl. Georg. Augenzeugen berichteten von einem großartigen Fest mit ca. 60 Vereinen und unzähligen Zusehern.
Dass diese Fahne heute wieder im Besitz der Bürgergarde ist, verdanken wir mehreren glücklichen Umständen. Bei der Befreiung Österreichs durch die alliierten Truppen im Jahr 1945 hatte der Sergeant der amerikanischen Armee Arnold Caplan auch die Aigner Bürgergardefahne „befreit“ und als Souvenir nach Amerika mitgenommen. Zehn Jahre lang hatte die Fahne einen „Ehrenplatz“ über dem Bett des Befreiers. Im Jahr 1955 beschloss Mr. Caplan die Fahne an die Besitzer zurück zu geben. Durch die großen Bemühungen aller Beteiligten konnte am 19. Oktober 1955 die Fahne von Mr. Caplan persönlich zurück gegeben werden. Nach dieser unfreiwilligen Odyssee unserer Fahne dauerte es weitere 20 Jahre, ehe sie wieder dem Zweck zugeführt wurde, für den sie gestiftet war, nämlich der Bürgergarde als Symbol zu dienen.
Im Zuge des Wiederrichtungsfestes im August 1976 erfolgte die Neuweihe der Fahne durch den Prior des Stiftes Schlägl Dr. Isfried Pichler. Als Fahnenpatin fungierte die Gattin unseres ehemaligen Obmannes, Frau Erika Kern. Anschließend wurde die Fahne einer Generalrestaurierung unterzogen, wodurch sie in neuem Glanz noch vielen Generationen der Garde Symbol und Sammelpunkt sein kann.

5. Fahne

Trotz der Restaurierung der vierten Fahne zeigte sie schon nach zehn Jahren wieder Schäden in Schrift und Ornamentik. Aus diesem Grund entschloss sich die Garde 1986 dieses Prachtstück als Kulturgut auch für zukünftige Generationen zu erhalten, und beschloss, für zukünftige Veranstaltungen und Ausrückungen eine neue Fahne anzuschaffen. Neben der finanziellen Unterstützung unserer beiden Heimatgemeinden ist es vor allem der Bevölkerung zu verdanken, dass die neue Fahne angeschafft werden konnte. Die Ehrennägel wurden mit eingravierten Namen der Spender, auf einem eigenen Ehrenband verewigt. Im Mai 1986 erteilte Pfarrer Adalbert Haudum während der Georgimesse auf dem Marktplatz der Fahne den kirchlichen Segen. Anschließend übergab die Fahnenmutter Priska Grüll das neue Wahrzeichen der Bürgergarde unter dem Kommando von Major Josef Peinbauer. Seit jenem Tag wird die Garde bei allen Paraden und Festlichkeiten durch die Fahne angeführt.

Fahnen Reglement

Reglement für Fähnrich

Dieses Reglement richtet sich nach dem offiziellen Exerzierreglement des Landesverbandes der Bürgergarden, Schützenkompanien und Traditionsverbände Oberösterreichs.

Am Stand

In der „Ruht-Stellung“ ist die Fahne mit senkrechter Fahnenstange auf den Boden zu stellen. Der Fähnrich hält die Fahne mit der rechten Hand.
In der „Habtacht-Stellung“ ist die Fahne mit senkrechter Fahnenstange auf den Boden zu stellen. Der Fähnrich hält die Fahne mit der rechten Hand und nimmt selbst „Habtacht-Stellung“ ein.
In der „Rechtsschaut-Stellung“ ist die Fahnenstange beim Absatz des rechten Fußes auf dem Boden einzusetzen und nach vorne zu neigen. Kopfhaltung und Blick des Fähnrichs stimmen mit der „Rechtsschaut-Stellung“ überein.
Die „Zum Gebet-Stellung“ stimmt in Fahnenhaltung und Körperhaltung mit der „Rechtsschaut-Stellung“ überein. Vor dem Bundespräsidenten und dem Allerheiligsten ist die Fahne soweit zu senken, dass das Fahnenblatt 20 cm über dem Boden ist.

Beim Marsch

In der „Ruht-Stellung“ kann die Fahne über der rechten Schulter oder im Köcher des Tragebandes getragen werden.
In der „Habtacht-Stellung“ kann die Fahne über der rechten Schulter oder im Köcher des Tragebandes aufrecht getragen werden.
In der „Rechtsschaut-Stellung“, während der Defilierung, ist die Fahne nach vorne zu senken.

Letzter Gruß

Als äußeres Zeichen der Trauer wird die Fahne mit dem Trauerflor geschmückt. Während dem Verlesen des Fahnenspruchs wird die Fahne über das Grab gesenkt.