Gründung

Um das Jahr 1580 traten beherzte Männer aus Aigen, Schlägl und Umgebung zusammen, um in einer kriegerischen Zeit, in der es weder reguläres Militär, noch Gendarmerie gab, Bevölkerung, Heimat, sowie Hab und Gut zu schützen und zu verteidigen. Auch in umliegenden Orten wurden in dieser Zeit Bürgerwehren gegründet, die sich gemeinsam mit Aigen und Schlägl zum gegenseitigen Schutz Ihrer Heimat zusammenschlossen.

Im Jahre 1610 machten allerlei kriegerische Horden, wie z.B. die Passauer Truppen, die Gegend unsicher, und die Bürgerwehr begann mit der Einrichtung einer Schanz- und Verteidigungsanlage beim „oberen Haag“, die später unter der Bezeichnung „Schweden – Schanzen“ in die Geschichte der beiden Gemeinden einging. Am 13. Juni 1639 sollen laut Chronik die Schweden im Zuge des 30 – jährigen Krieges versucht haben, den Pass bei Oberhaag zu überschreiten, um in Aigen einzufallen. Doch die Schanzenanlage war so massiv mit Männern der Bürgerwehr besetzt und wurde von diesen so vehement verteidigt, dass die Schweden wieder abziehen mussten. Die Schanzen sind heute zum Teil renoviert und von der Universität Wien wissenschaftlich erfasst.

Aus dem Jahr 1650 stammt die älteste, noch vorhandene „Liste der bewehrten Mannschaft im Markt Aigen“ und 1734 wurde die Bürgerwehr in die dauernde Landmiliz eingegliedert. Neuerlich aktiviert wurden die Bürgerschützen von Aigen und Schlägl in der napoleonischen Zeit, in der sie erstmals im Jahre 1820 als „Bürgergarde“ nach französischem Muster einheitlich uniformiert und bewaffnet wurde.

60 Jahre später, 1880, erfolgte schließlich die Neuuniformierung nach Art der k. u. k. Armee in den noch heute üblichen Traditionsuniformen. Die Weihe der bei besonderen Anlässen mitgeführten Traditionsfahne – der 4. Fahne in der Geschichte das Bürgergarde  – erfolgte im Jahre 1902. Zahlreiche alte Fotos erinnern noch an die 1930 abgehaltene 350 – Jahr Feier, das letzte große Fest der „alten Bürgergarde“. Denn nur 9 Jahre später wurde der Verein amtlich aufgelöst und das Vermögen eingezogen.

Wiedererrichtung

In der Besatzungszeit gingen schließlich auch die Waffen und Uniformen zum Großteil verloren und 1945 nahm ein Sergeant der US – Armee beim Abzug der Amerikaner aus dem Mühlviertel die wertvolle Traditionsfahne als Souvenir mit nach Hause. Erst 10 Jahre später gelang es zwei Angehörigen der Österreichischen Fremdenverkehrswerbung in New York, die die Fahne durch Zufall gesehen hatten, ihre Rückgabe an die Gemeinde Aigen zu erwirken.

1975 wurde vom damaligen Bezirkshauptmann Dr. Hable, vom damaligen Aigner Bgm. Ruhaltinger, sowie vom künftigen Obmann und künftigen Kommandanten der Garde Dr. Gert Kern und Pol.Bez.Insp. i.R Josef Peinbauer, die Idee geboren, die Bürgergarde wieder zu errichten. Rasch fanden sich an die 70 Männer, die der „neuen Garde“ beitreten wollten und unter tatkräftiger Mithilfe der Bevölkerung und aller Institutionen beider Gemeinden konnte binnen  kurzer Zeit diese Idee verwirklicht werden. Die 400 – Jahr Feier 1980, ein 4 – tätiges Fest, an dem mehr als 1700 Schützen und Gardisten aus dem In – und Ausland teilnahmen, soll den Abschluss dieses kurzen Rückblicks über die Geschichte der Bürgergarde Aigen – Schlägl bilden.

Unsere Bürgergarde

Vierhundert Jahr, solang ist’s her,
– wie schnell die Zeit verrinnt –
da gründete man die Bürgerwehr,
zu schützen Haus und Kind.

Kriegshorden zogen von weit her
und zerstörten unser Land,
die Väter setzten sich zur Wehr,
sie nahmen Waffen in die Hand.

Doch heute gilt’s nicht dem Feind zu wehren,
heut gilt nicht mehr das stets bereit,
die Kameradschaft woll’n wir wir mehren,
in dieser hektisch schnellen Zeit.

Wir wollen in der Fremde zeigen,
aus Aigen-Schlägl kommen wir,
vor Gott woll’n wir die Fahne neigen,
wir wollen sein der Feste zier.

Die Waffen, die wir alle tragen,
sei’s Bajonett oder Gewehr,
sie sollen unseren Kindern sagen,
die Väter setzen sich zur Wehr.

Was wir vererbt von unseren Ahnen,
aus Tradition führen wir es fort,
wir blicken stolz auf unsere Fahnen,
aus Lieb‘ und Treu zum Heimatort.

(Erich Stockinger – Anlässlich 25 Jahre Wiedererrichtung)